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Quant-Formelsammlung
Von Grundlagen bis High-Frequency Trading
Stand: August 2026
1 Statistische Grundlagen
Erklärung: Der Erwartungswert ist der wahrscheinlichkeitsgewichtete Durchschnitt, die Varianz misst die Streuung um diesen Mittelwert. Die Wurzel der Varianz ist die Standardabweichung – im Trading meist „Volatilität“ genannt.
Wofür: Fundament für alles: Erwartungswert eines Trades (Expectancy), Risikomessung, Sharpe Ratio.
Anwendung: Empirisch: und über Ihre Trade- oder Bar-Returns.
Kovarianz & Korrelation
Erklärung: Kovarianz misst, ob zwei Variablen gemeinsam schwanken. Die Korrelation normiert das auf .
Wofür: Diversifikation (z. B. Index- vs. Gold-Futures), Pairs Trading, Portfolio-Risiko, Feature-Auswahl bei Alphas.
Anwendung: Vorsicht: Korrelation misst nur lineare Zusammenhänge und ist über Zeit instabil. Rolling-Correlation über z. B. 60 Bars rechnen, nicht einmalig über die ganze Historie.
Autokorrelation (ACF)
Erklärung: Korrelation einer Zeitreihe mit sich selbst, um Perioden verschoben.
Wofür: Der direkteste Test auf Vorhersagbarkeit: heißt Momentum auf dieser Frequenz, heißt Mean Reversion. Auf Tick-Ebene ist meist negativ (Bid-Ask-Bounce!).
Anwendung: ACF der Returns plotten. Signifikanzgrenze grob . Alles außerhalb ist ein potentielles Alpha – oder ein Datenartefakt.
2 Returns & Volatilität
Simple vs. Log-Returns
Erklärung: Log-Returns sind über Zeit additiv ( = Gesamtreturn), Simple Returns sind über Assets additiv (Portfolio-Return = gewichtete Summe).
Anwendung: Für Zeitreihenanalyse, Vola-Schätzung und Modelle: Log-Returns. Für PnL-Rechnung im Portfolio: Simple Returns. Bei Futures mit Punktwert: PnL Ticks Tickwert Kontrakte – Returns sind da eher sekundär.
Annualisierung
Erklärung: = Anzahl Perioden pro Jahr (252 Handelstage, Minuten-Bars etc.). Vola skaliert mit der Wurzel der Zeit – das ist die berühmte Square-Root-of-Time-Rule.
Anwendung: Gilt streng nur bei unkorrelierten Returns. Bei Intraday-Daten mit Autokorrelation und Saisonalität (Open/Close-Vola!) wird die Regel ungenau.
Realized Volatility (HFT-Standard)
Erklärung: Summe der quadrierten Intraday-Returns (z. B. 5-Minuten-Bars) als Schätzer der Tagesvarianz. Je feiner das Sampling, desto genauer – bis Microstructure Noise (Bid-Ask-Bounce) dominiert.
Wofür: Bester nichtparametrischer Vola-Schätzer aus hochfrequenten Daten. Input für Position Sizing und Vola-Targeting.
Anwendung: Faustregel: 5-Minuten-Sampling als Kompromiss zwischen Genauigkeit und Noise. Bei Tickdaten alternativ Pre-Averaging oder Realized Kernels.
EWMA-Volatilität (RiskMetrics)
Erklärung: Exponentiell gewichteter Vola-Schätzer: neue Returns zählen mehr, alte klingen geometrisch ab.
Wofür: Schnell reagierende Vola-Schätzung für Live-Systeme – rechenbillig, rekursiv, kein Fenster nötig.
Anwendung: Perfekt für einen Risk Guard: ein einziger State-Wert pro Instrument, Update in pro Bar.
GARCH(1,1)
Erklärung: Wie EWMA, aber mit Rückkehr zu einer Langfrist-Vola . = Reaktion auf Schocks, = Persistenz. Modelliert Volatility Clustering: ruhige Phasen bleiben ruhig, wilde bleiben wild.
Wofür: Vola-Forecasting über mehrere Perioden, VaR-Modelle, Regime-Erkennung.
Anwendung: Per Maximum Likelihood fitten (z. B. arch-Package in Python). Typisch: –, –. Wenn : Vola-Schocks sterben kaum ab (IGARCH-Verhalten).
3 Performance- & Risikokennzahlen
Sharpe Ratio
Erklärung: Überschussrendite pro Einheit Risiko. Die Standardwährung, in der Strategien verglichen werden.
Anwendung: Bei Intraday/HFT ist vernachlässigbar. Achtung: Sharpe aus Backtests ist fast immer nach oben verzerrt (Selection Bias, Overfitting) – siehe Deflated Sharpe unten. HFT-Strategien haben oft SR , dafür begrenzte Kapazität.
Sortino Ratio
Erklärung: Wie Sharpe, aber nur Downside-Abweichungen unterhalb einer Zielrendite (meist 0) zählen als Risiko. Upside-Vola wird nicht bestraft.
Wofür: Fairere Bewertung von Strategien mit asymmetrischen Returns (z. B. Trendfolge mit vielen kleinen Verlusten und wenigen großen Gewinnen).
Maximum Drawdown & Calmar
Erklärung: Drawdown = aktueller Abstand zum bisherigen Höchststand der Equity-Kurve. MDD ist der schlimmste jemals erlittene Einbruch.
Wofür: Die zentrale Größe bei Konten mit Verlustgrenze: Trailing/EOD-Drawdown-Limits definieren Ihr wahres Risikobudget, nicht die Kontogröße.
Anwendung: Bei Konten mit Verlustgrenze das Position Sizing direkt am verbleibenden Drawdown-Puffer ausrichten, nicht am nominalen Kapital. Circuit Breaker sollte auf Intraday-DD triggern.
Value at Risk (VaR) & Expected Shortfall (CVaR)
Erklärung: VaR: „Mit 99 % Wahrscheinlichkeit verliere ich nicht mehr als X.“ ES/CVaR: der durchschnittliche Verlust in den schlimmsten -Fällen – also was passiert, wenn es knallt.
Wofür: Risikolimits, Kapitalallokation über mehrere Accounts, Stress-Budgets.
Anwendung: ES ist VaR vorzuziehen: kohärentes Risikomaß, subadditiv, sieht Tail-Risiken. Historische Simulation (empirische Quantile der letzten Returns) ist robuster als die Normalannahme – Futures-Returns haben fette Tails.
Kelly-Kriterium
Erklärung: Der Einsatzanteil des Kapitals, der das langfristige logarithmische Wachstum maximiert. = Trefferquote, = Payoff-Ratio (Gewinn/Verlust).
Wofür: Theoretische Obergrenze fürs Position Sizing.
Anwendung: Niemals Full Kelly traden: Parameterunsicherheit + fette Tails Half- oder Quarter-Kelly. Bei Konten mit Verlustgrenze ist selbst das oft zu aggressiv – das DD-Limit ist die bindende Nebenbedingung, nicht Kelly.
Probabilistic & Deflated Sharpe Ratio (Bailey/López de Prado)
Erklärung: Wahrscheinlichkeit, dass der wahre Sharpe über einer Benchmark liegt – korrigiert um Stichprobenlänge , Schiefe und Kurtosis . Die Deflated SR setzt auf den Sharpe, den man allein durch Testen vieler Strategien per Zufall erwartet.
Wofür: Schutz vor Backtest-Overfitting: Wer 100 Alphas testet, findet garantiert welche mit gutem Sharpe – rein zufällig.
Anwendung: Anzahl der getesteten Strategievarianten ehrlich mitzählen. PSR als Deployment-Schwelle ist eine solide Konvention.
4 Portfolio-Theorie
Portfolio-Rendite & -Varianz (Markowitz)
Erklärung: = Gewichtsvektor, = Kovarianzmatrix. Portfolio-Risiko ist nicht die Summe der Einzelrisiken – Korrelationen entscheiden.
Wofür: Kapitalallokation über mehrere Alphas/Instrumente/Accounts.
Anwendung: ist bei geschätzten Kovarianzen extrem instabil (Estimation Error wird verstärkt). Praktisch: Shrinkage (Ledoit-Wolf), Risk Parity oder schlicht Vola-Targeting pro Alpha statt voller Optimierung.
CAPM & Beta
Erklärung: Beta misst die Sensitivität eines Assets zur Marktbewegung. Alpha ist per Definition der Return, der nicht durch Beta erklärt wird.
Wofür: Trennung von echtem Alpha und bloßem Markt-Exposure. Eine Long-Strategie auf einen Index-Future mit und positivem Return hat evtl. gar kein Alpha.
Anwendung: Strategie-Returns gegen Markt-Returns regressieren: der Achsenabschnitt ist Ihr Alpha, die Steigung Ihr Beta.
Information Ratio
Erklärung: Sharpe Ratio des aktiven Returns gegen eine Benchmark .
Wofür: Vergleich einzelner Alphas gegeneinander; Grundlage des „Fundamental Law of Active Management“: – viele kleine unabhängige Wetten schlagen wenige große.
5 Stochastische Prozesse & Derivate
Geometrische Brownsche Bewegung (GBM)
Erklärung: Das Standardmodell für Preisprozesse: konstante Drift , konstante Vola , Zufall über den Wiener-Prozess . Der Term ist die Ito-Korrektur.
Wofür: Grundlage von Black-Scholes, Monte-Carlo-Simulationen, synthetischen Preispfaden fürs Backtesting.
Anwendung: Simulation: mit . Realität weicht ab: Jumps, Vola-Clustering, fette Tails.
Itôs Lemma
Erklärung: Die „Kettenregel“ für stochastische Prozesse. Der Zusatzterm mit der zweiten Ableitung existiert, weil – Zufallspfade sind so rau, dass quadratische Terme nicht verschwinden.
Wofür: Herleitung von Black-Scholes, Verständnis von Vola-Drag und Convexity-Effekten (z. B. warum gehebelte ETFs langfristig verlieren).
Black-Scholes-Formel (Call)
Erklärung: Fairer Preis einer europäischen Call-Option unter GBM-Annahme. = Standardnormalverteilung, = Strike, = Restlaufzeit, = risikofreier Zins.
Wofür: Options-Pricing, aber vor allem: Implied Volatility. Man invertiert die Formel numerisch, um aus Marktpreisen die vom Markt erwartete Vola zu extrahieren (VIX-Logik).
Anwendung: Für Futures-Optionen die Black-76-Variante nutzen: . Implied Vol von Optionen auf Index- oder Gold-Futures ist ein brauchbares Regime-Signal auch für reine Futures-Trader.
Die Greeks
Erklärung: Sensitivitäten des Optionspreises: Delta (Preis), Gamma (Krümmung), Theta (Zeitverfall), Vega (Vola), Rho (Zins).
Wofür: Hedging und Risikosteuerung von Optionsbüchern; Gamma-Exposure (GEX) der Market Maker erklärt Intraday-Dynamik in Indizes: hohes positives Dealer-Gamma dämpft Bewegungen, negatives verstärkt sie.
Ornstein-Uhlenbeck-Prozess (Mean Reversion)
Erklärung: Prozess mit Rückkehrkraft zum Mittelwert ; bestimmt die Geschwindigkeit.
Wofür: Das Standardmodell für Pairs Trading / Statistical Arbitrage: den Spread zweier kointegrierter Instrumente als OU-Prozess modellieren.
Anwendung: Diskretisiert ist OU eine AR(1)-Regression: mit . Halbwertszeit sagt Ihnen die natürliche Haltedauer des Trades. Entry bei , Exit am Mittelwert, ist die klassische Bollinger-artige Regel.
6 Zeitreihen & Ökonometrie
OLS-Regression & t-Statistik
Erklärung: Kleinste-Quadrate-Schätzer für lineare Modelle; die t-Statistik testet, ob ein Koeffizient signifikant von 0 verschieden ist ( als Daumenregel).
Wofür: Alpha-Research: Prädiktor gegen Forward-Return regressieren. Hedge-Ratios für Pairs. Faktorzerlegung.
Anwendung: Bei Zeitreihen: Newey-West-Standardfehler wegen Autokorrelation nutzen, sonst sind die t-Stats zu optimistisch. Und: In-Sample-Signifikanz Out-of-Sample-Profit.
ADF-Test / Kointegration (Engle-Granger)
Erklärung: Der Augmented-Dickey-Fuller-Test prüft, ob eine Zeitreihe stationär ist. Kointegration: zwei nichtstationäre Preisreihen, deren Linearkombination (Spread) stationär ist.
Wofür: Voraussetzungscheck für Stat-Arb: Nur kointegrierte Paare haben einen handelbar mean-revertierenden Spread. Korrelation allein reicht nicht.
Anwendung: Engle-Granger: (1) auf regressieren Hedge Ratio, (2) ADF auf die Residuen. Kointegration bricht gern im Live-Betrieb – laufend re-testen.
Hurst-Exponent
Erklärung: Misst die „Gedächtnisstruktur“ einer Zeitreihe über das Skalierungsverhalten der Range zur Standardabweichung .
Wofür: Regime-Klassifikation: Soll dieses Instrument auf dieser Zeitskala mit Momentum- oder Reversion-Logik gehandelt werden?
Anwendung: Schätzer sind auf kurzen Fenstern verrauscht; eher als grober Kompass über verschiedene Zeitskalen nutzen als als präzises Signal.
Kalman-Filter
Erklärung: Rekursiver Bayes-Schätzer für verborgene Zustände unter Rauschen. (Kalman Gain) balanciert Vertrauen in Modell vs. neue Messung .
Wofür: Dynamische Hedge Ratios (statt statischer OLS), Glättung von Fair-Value-Schätzungen, adaptives Beta, Tracking des „wahren“ Preises hinter Microstructure Noise.
Anwendung: Für Pairs: State = Hedge Ratio, Beobachtung = Preisrelation. -Verhältnis steuert, wie schnell sich das Ratio anpassen darf.
7 Market Microstructure & HFT
Mid-Price, Spread & Microprice
Erklärung: Der Microprice gewichtet mit den gegenüberliegenden Queue-Größen: Liegt viel Volumen im Bid, wird der nächste Move eher nach oben gehen Microprice liegt näher am Ask.
Wofür: Besserer Fair-Value-Schätzer als der Mid-Price; kurzfristigster Preisprädiktor überhaupt. Kernbaustein jedes Orderbook-Alphas.
Anwendung: Erweiterbar auf mehrere Book-Levels mit Distanzgewichtung. Der Spread ist gleichzeitig Ihre minimale Round-Trip-Kostenhürde.
Order Book Imbalance (OBI) & Order Flow Imbalance (OFI)
Erklärung: OBI: statisches Ungleichgewicht der Queues am Top of Book. OFI (Cont et al.): der Fluss – Nettoänderung von Bid-Depth minus Ask-Depth über ein Zeitfenster, inkl. Adds, Cancels und Trades.
Wofür: Zwei der stärksten dokumentierten Kurzfrist-Prädiktoren für Preisbewegungen. OFI erklärt empirisch einen Großteil der Mid-Price-Änderungen linear: .
Anwendung: Aus MBO/MBP-Orderbuchdaten direkt berechenbar. Über mehrere Levels aggregieren und mit Level-Distanz abklingend gewichten. Signal-Halbwertszeit ist auf Tick-Skala kurz – Latenz und Queue-Position entscheiden über Umsetzbarkeit.
Kyle’s Lambda (Preisimpact)
Erklärung: misst, wie stark der Preis pro Einheit Netto-Orderflow bewegt wird – die „Preiselastizität“ des Marktes. Im Kyle-Modell ergibt es sich aus Informations- vs. Noise-Trader-Varianz.
Wofür: Impact-Schätzung, Liquiditätsmessung, Erkennung informierter Flows. Hohes = dünner Markt = teure Execution.
Anwendung: Empirisch: Mid-Price-Änderung auf signierten Volumenfluss regressieren, rolling pro Session. zweier Märkte zu vergleichen (z. B. Index- vs. Gold-Futures) zeigt Ihnen sofort, wo Ihre Positionsgröße mehr Schaden anrichtet.
Roll-Modell (impliziter Spread)
Erklärung: Schätzt den effektiven Bid-Ask-Spread allein aus der negativen Autokovarianz der Preisänderungen (Bid-Ask-Bounce erzeugt genau diese).
Wofür: Spread-Schätzung, wenn nur Trade-Daten ohne Quotes vorliegen; Sanity Check der Transaktionskosten.
Amihud-Illiquidität & VPIN
Erklärung: Amihud: Preisbewegung pro Dollar Umsatz – je höher, desto illiquider. VPIN (Easley/O’Hara): Anteil toxischen (einseitigen) Flows in Volumen-Buckets.
Wofür: VPIN als Frühwarnsystem für toxische Marktphasen (stieg vor dem Flash Crash 2010 stark an). Ideal als Input für einen Circuit Breaker: bei hohem VPIN Quoting/Trading drosseln.
VWAP & TWAP
Erklärung: Volumen- bzw. zeitgewichteter Durchschnittspreis über ein Intervall.
Wofür: Execution-Benchmarks: Slippage wird typischerweise als Fill-Preis minus Arrival-Mid oder minus Intervall-VWAP gemessen. Intraday dient VWAP auch als Mean-Reversion-Anker.
Anwendung: Im Execution Cost Model: erwartete Kosten = halber Spread + Impact + Timing-Risiko, gemessen gegen Arrival Price (Implementation Shortfall).
Avellaneda-Stoikov (optimales Market Making)
Erklärung: Der Klassiker des quantitativen Market Making. = aktuelles Inventar, = Risikoaversion, = Orderankunfts-Intensitätsparameter. Kernidee: Das Quote-Zentrum (Reservation Price) verschiebt sich gegen Ihr Inventar – long? Dann quoten Sie tiefer, um abzubauen.
Wofür: Optimale Bid/Ask-Platzierung unter Inventarrisiko; Blaupause für jede Quoting-Logik.
Anwendung: Auch wenn Sie nicht Market Making betreiben: Die Inventar-Penalty-Logik () ist ein sauberes Framework für Positionsabbau – je größer Position, Vola und Restzeit bis Session-Ende, desto aggressiver flatten. Passt konzeptionell direkt zu einem EOD-Flatten-Modul.
Poisson-Orderankunft & Fill-Wahrscheinlichkeit
Erklärung: Marktorders treffen näherungsweise poissonverteilt ein; die Fill-Intensität einer Limit Order fällt exponentiell mit ihrer Distanz zum Mid.
Wofür: Modellierung von Fill-Wahrscheinlichkeiten, Queue-Value-Schätzung, Grundlage der A-S-Herleitung.
Anwendung: und aus eigenen Fill-Daten oder MBO-Daten kalibrieren. Realität: Ankunftsraten sind selbst stochastisch und clustern (Hawkes-Prozesse als nächste Stufe: – selbsterregend, modelliert Order-Kaskaden).
8 Execution & Transaktionskosten
Square-Root Market Impact Law
Erklärung: Empirisch extrem robust über Märkte und Dekaden: Der Impact einer Metaorder der Größe wächst mit der Wurzel ihres Anteils am Tagesvolumen , skaliert mit der Tagesvola . –1.
Wofür: Kostenprognose vor der Order, Kapazitätsschätzung einer Strategie (ab welcher Size frisst der Impact das Alpha?).
Anwendung: Für ein Execution Cost Model: Kosten pro Trade ansetzen und gegen realisierte Slippage kalibrieren.
Almgren-Chriss (optimale Liquidierung)
Erklärung: Optimaler Abbaupfad einer Position über Horizont : Trade-off zwischen Impact-Kosten (langsam handeln!) und Preisrisiko (schnell handeln!). = temporärer Impact-Koeffizient, = Risikoaversion. Lösung: exponentiell abfallende Handelsrate.
Wofür: Das Standard-Framework für Execution-Algos (Basis fast aller institutionellen VWAP/IS-Algos).
Anwendung: Hohe Risikoaversion oder hohe Vola großes front-loaded (schnell raus). Für kleine Positionsgrößen in liquiden Futures ist Impact minimal – da gewinnt fast immer „sofort raus“.
9 Wahrscheinlichkeit & Bayes
Satz von Bayes
Erklärung: Update von Überzeugungen mit neuen Daten: Posterior Likelihood Prior.
Wofür: Das Denkgerüst hinter Kalman-Filtern, Regime-Wahrscheinlichkeiten, Online-Schätzung von Trefferquoten. Auch: Wie wahrscheinlich ist es, dass ein Alpha echt ist, gegeben sein Backtest und die Base Rate, dass die meisten Backtests overfitted sind?
Zentraler Grenzwertsatz & Gesetz der großen Zahlen
Erklärung: Summen vieler unabhängiger Zufallsgrößen werden normalverteilt; Mittelwerte konvergieren gegen den Erwartungswert.
Wofür: Warum Edge nur über viele Trades realisiert wird und warum kurze Track Records nichts beweisen. Der Standardfehler des Mittelwerts fällt nur mit – für doppelte Präzision brauchen Sie viermal so viele Trades.
Anwendung: Grenzen kennen: Bei fetten Tails (unendliche Varianz) und Abhängigkeiten konvergiert es langsamer oder anders – Finanzreturns sind der Paradefall.
Maximum Likelihood & Log-Likelihood
Erklärung: Parameter so wählen, dass die beobachteten Daten maximal wahrscheinlich sind.
Wofür: So werden GARCH, OU, Hawkes und praktisch alle parametrischen Modelle gefittet.
10 Cheat Sheet: Was wofür
- Signal-Research: ACF, OLS + Newey-West, OFI/OBI, Microprice, Hurst
- Vola & Regime: Realized Vol, EWMA, GARCH, VPIN, Implied Vol
- Position Sizing: Kelly (fraktional!), Vola-Targeting, VaR/ES, DD-Budget
- Stat Arb: Kointegration (ADF), OU-Prozess, Kalman-Hedge-Ratio
- Execution: Spread + Square-Root-Impact, Implementation Shortfall, Almgren-Chriss, VWAP
- Market Making / Quoting: Avellaneda-Stoikov, Poisson/Hawkes-Fills, Kyle’s
- Validierung: Sharpe PSR/Deflated Sharpe, Out-of-Sample, Walk-Forward
Die wichtigste „Formel“ zum Schluss:
Die meisten Backtests sterben nicht am Alpha, sondern an den vier Subtrahenden.
Fragen zur Methodik?
Über Verfahren sprechen wir offen — auch über die, die bei uns durchgefallen sind.
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